Frühjahrskonzert


Beim Frühjahrskonzert des Musikvereins Gerlingen bildeten Musicalmelodien den roten Faden. Mit ,,Wicked“ begann der musikalische Reigen, der nach verschiedenen Abstechern nach Amerika und England im „Weißen Rössl“ am Wolfgangsee endete.

Zu Beginn der Vorbereitungen auf ein Konzert steht immer die Musikauswahl und bei der stand beim Musikverein Stadtkapelle Gerlingen dieses Mal das Thema ,,Musicals“ im Mittelpunkt. „Musicals, die das Orchester schon gespielt hat und ganz bekannte Melodien sollten es aber nicht sein”, erklärt Vorstand Matthias Widmann in seiner Begrüßung. Das Ergebnis dieser Auswahl war durchaus überraschend, denn so manche Melodie hätte die Mehrzahl der Konzertbesucher sicher in das Genre der Filmmusik einsortiert. Bevor die Jugendkapelle und die Stadtkapelle unter der Leitung ihres Dirigenten Daxi Pan loslegten, übernahm es Widmann die Gäste in der wieder einmal voll besetzten Stadthalle zu begrüßen. Unter ihnen weilten Bürgermeister Georg Brenner und die Erste Beigeordnete Martina Koch-Haßdenteutel, der Bürgermeister von Gerlingens französischer Partnerstadt Vesoul, Alain Chrétien und die Beigeordnete Marie Dominique Aubry, zahlreiche Ehrenmitglieder des Musikvereins und Ehrendirigent Reinhard Konyen, Vertreter des Gemeinderates, eine Abordnung des Musikvereins Vesoul und Vertreter von Gerlinger Vereinen. In seiner Begrüßungsrede betonte Widmannn auch die gute Zusammenarbeit der Stadtkapelle mit der Jugendmusikschuie. „Das ist eine tolle Kooperation”, so Widmann.
Für den musikalischen Auftakt sorgte dann die Jugendkapelle mit „Music from Wicked” und entführte das Publikum damit in die Welt der Magie. Bei dem von Michael Sweeney arrangierten Medley zeigte die Jugendkapelle, was in ihr steckt, und dass der musikalische Nachwuchs des Musikvereins auch einige hochkarätige Solisten in seinen Reihen hat. Mit dem zweiten Stück nahm die Jugendkapelle das Publikum mit in die Traumwelt von Tabaluga. „Nessaja” aus dem ersten der sechs Konzeptalben von Peter Maffay um den kleinen Drachen Tabaluga ist ein echtes Stück Popkultur, das die Jugendkapelle mit viel Elan und sichtlicher Freude zum Besten gab. Weiter ging es mit „The Sound of Music”. „Ein echter Klassiker”, wie Widmann in seiner wie immer gekonnten Moderation erläuterte. Das Musical von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein erzählt die Geschichte von der Sängerin Maria und der Familie Trapp, die in Salzburg beginnt und schließlich in Amerika endet. Die Musik ist eine wundervolle Mischung aus Walzerklängen und swingenden Elementen eben „zauberhafte Unterhaltung zum Mitsingen“, wie es Moderator Widmann so treffend beschrieben hatte. Mit „I will follow him”, aus „Sister Act”, beendete die Jugendkapelle ihr Programm und brachte das Publikum damit nicht nur zum Mitklatschen, sondern ließ sicher bei vielen Whoopi Goldberg als singende Nonne vor dem geistigen Auge durch die Stadthalle schweben. Die vom begeisterten Publikum mit langanhaltendem Klatschen eingeforderte Zugabe spielte der musikalische Nachwuchs sehr gerne.
Die Stadtkapelle eröffnete ihr Programm mit dem Musical „Mame”, das Jerry Herman 1966 geschrieben hat. Besser bekannt sei vielen sicher Hermans „Hello Dolly”, erklärte Widmann. Noch besser sei allerdings Mame. Tatsächlich präsentiert sich das Musical als wundervolle Mischung aus mitreißender Musik und gefühlvollen Balladen aus den Swinging Sixties. Weiter ging es mit der Geschichte von Eliza Doolittle einem Blumenmädchen} aus England. Eliza lernt Professor Higgins kennen, der der Überzeugung ist, dass sich der Mensch nicht über seine Herkunft sondern über die Sprache definiert. Er bringt Eliza bei, sich gewählt auszudrucken und verliebt sich schließlich in seine Schülerin. Die Melodien. die in dem Medley angespielt wurden, dürften  wohl jedem im Saal bekannt gewesen sein und die älteren Besucher wären vermutlich alle so textsicher gewesen, dass sie bei „lch hätt getanzt heut Nacht” oder „Es grünt so grün” fehlerlos hätten mitsingen können, Nach der Pause nahm die Stadtkapelle ihr Publikum mit ins „La-la-Land”, übrigens ein Synonym für Los Angeles. lm Stück trifft das fantastische Erlebnis einer Tanzeinlage im alltäglichen Stau der Großstadt auf das ernüchternde alltägliche Leben. Entsprechend vielfältig ist die Musik, die mit zahlreichen Passagen aufwartete, in denen die Instrumente miteinander zu Sprechen schienen. Beim nächsten Stück handle es sich um den einzigen Beitrag, der keinen Musicalbezug hat, erklärte Moderator Widmann. Als das Stück in der Probe zum ersten Mal aufgelegt wurde, habe Dirigent Daxi Pan erklärt, dieses Stück kenne kein Mensch, deshalb müsse man es einfach spielen. Die Rede ist von „Saxophone Date”, einem Zwiegespräch zwischen Dirigent und Saxophonregister, zwischen Saxophonregister und Orchester oder auch zwischen Orchester und Publikum. ln jedem Fall aber einem Date bei dem die muslkalische Bandbreite, die das Saxophon zu bieten hat, bestens zur Geltung kam. Anschließend stand das Musical „Westside Story” auf dem Programm. Das Musical erzählt von zwei rivalisierenden Jugendbanden einer Liebesgeschichte a la Romeo und Julia. Leonard Bernstein vereint in dem Musical Jazz, klassische Oper und lateinamerikanische Tanzmusik in kongenialer Weise. Mit dem „Mambo” aus der Westside Story präsentierte die Stadtkapelle einen energiegeladenen Tanz mit Wow-Effekt. Zum Abschluss des Konzertabends ging es ins „Weiße Rössl“ am Wolfgangsee eben dorthln, wo Urlauber einst ihre Sommerfrische verbrachten. Zu jener Zeit sei bei uns das Musical noch als Singspiel bezeichnet worden, klärte Widmann das Publikum auf. Berühmt geworden ist das Singspiel sicher durch den gleichnamigen Film mit Peter Alexander, Waltraud Haas, Karin Dor und Gunther Philipp. Mit den Liedern “Das weiße Rössl am Wolfgangsee” oder “Was kann der Sigismund dafür” sei das Stück “der Knaller des Abends”, prognostizierte Widmann und sollte Recht behalten, denn das Publikum  begleitete das Orchester mit rhythmlschem Klatschen. Für den lang anhaltenden Beifall  bedankte sich das Orchester mit mehreren Zugaben mit, viel Drive und Swing insbesondere bei dem einst von Barry Manllow gesungenen Titel”Copacabana”. Der Titel wurde ürigens 1978 als Single veröffentlicht und 1985 um zahlreiche Titel erweitert als Musical auf die Bühne gebracht. Ein weiterer Titel, den die meisten nicht im Musical Genre verortet hätten, der aber eben doch dazugehört -ganz gemäß der Vorgabe bei der Stückauswahl- Musicals zu nehmen, die nicht jede, kennt . Abschließend bedankte auch Widmann beim Publikum für den lang anhaltenden Beifall, bei den Musikern für die intensive Mitarbeit bei den Proben, bei Dirigent Daxi Pan und bei allen Helfern für ihre tatkräftige Unterstützung. Wie gewohnt waren die Besucher eingeladen nach dem Konzert gemeinsam mit den Musikern zu feiern. Ein Angebot, das die Mehrzahl der Gäste gerne annahm. Übrigens: Der Musikverein Gerlingen freut sich immer über weitere Mitspieler. Wer Interesse hat, kann gerne bei einer Probe vorbeischauen. Die Jugendkapelle probt immer donnerstags ab 18 Uhr und die Stadtkapelle donnerstags ab 20 Uhr in der Jahnhalle. Die nächste Gelegenheit, die Musiker zu hören, ist am 1. Mal beim Waldfest auf dem Waldspielplatz am Rappenhof. Los geht es um 11 Uhr. Text: Tommasi