Motorradtour 2021

Auf den Spuren des Alpenmasters

Biker des Musikvereins waren wieder zur traditionellen Ausfahrt unterwegs. Bis Mitte Juni wurde gebangt, ob wir am 02. Juli starten können. Die Inzidenzen wurden aber immer niedriger, die Lockerungen nahmen zu und so konnte die Finale Planung starten. Wie im vergangenen Jahr hatten wir wieder Glück mit dem ausgewählten Zeitfenster. Mit Erfüllung der 3G-Regeln und der Registrierung für Italien ging es voller Vorfreunde am Freitag kurz nach 8:00 Uhr mit 8 Bikern endlich los.

Zunächst führte unsere Route über den Schönbuch und Reutlingen, mit dem anschließenden Albaufstieg, nach Zwiefalten, wo wir im Schatten des prächtigen Klosters eine kurze Kaffeepause einlegten. Frisch gestärkt ging es dann entlang der Bäderroute, Bad Buchau, Bad Schussenried, Bad Waldsee, Bad Wurzbach den Alpen entgegen. Kurz nach Sonthofen gab es mit dem Oberjoch-Pass (1.178 m) den ersten Alpenpass zu erklimmen. Bei schönem Wetter und angenehmen Temperaturen cruisten wir durchs Tannheimer Tal und kamen mit dem Abstieg über den Gaicht-Pass (1.093 m) an den jungen Lech. Nach einigen Kilometern Flussaufwärts ging es bereits wieder links ab über das Hahntenn-Joch (1.894 m) ins Inntal. Einer kurzen Pause im Gasthof zur Gemütlichkeit in Bschlabs konnten wir (wie fast immer) nicht widerstehen.

Aber auch den Inn haben wir nach kurzer Fahrt wieder verlassen um über das Pitztal und die Piller-Höhe (1.558 m) in Prutz wieder zu treffen und bis zum ersten Nachtquartier in Pfunds zu folgen.

Gut gestärkt und ausgeschlafen ging es daran die diesjährige Königsetappe anzugehen. Zunächst folgten wir dem Inn bis Martina (CH) um von dort die Serpentinen hinauf nach Nauders unter die Räder zu nehmen. Über den Reschenpass (1.504 m) und längs des Reschensees ging es kurz entlang der Etsch um dann zum Stilfser-Joch (2.757 m) mit seinen 48 Kehren abzubiegen. Nach einer Verschnaufpause auf der Passhöhe für Ross und Reiter ging es weiter Richtung Bormio. Über den pso di Foscagno (2.291 m) und den pso d`Eira (2.208 m) erreichten wir das zollfreie Livigno, wo wir bei 1,10 EUR/Liter gerne volltankten. Mit der Forcola di Livigno (2.315 m) und dem Berninapass (2.328 m) ging es schon wieder dem Inn entgegen, welchem wir dann über St. Moritz und entlang den St.-Moritzer-Seen fast bis zur Quelle am Malojapass (1.815 m) folgten. Nach Chiavenna galt es den Splügenpass (2113 m) zu erklimmen und beim Abstieg ins Hinterrheintal mussten wir dann erstmals die Regenkombis überziehen. Dieser Regenschauer begleitete uns auch über den San Bernardino (2.065 m) und erst Richtung Bellinzona und den Lago Maggiore wurde das Wetter wieder besser, blieb aber unbeständig mit immer wieder kurzen Nieselregeneinlagen. Eigentlich wäre jetzt der ideale Zielpunkt dieser Etappe erreicht, aber als Schwabe galt es jedoch die Schweiz wieder zu verlassen und unser Quartier in Villadossola (Italien) anzusteuern.

Am nächsten morgen konnten wir die Regenkombis zunächst wieder einpacken und über den Simplonpass (2.005 m) erreichten wir das Rhonetal. Im Goms folgten wir der Rhone aufwärts bis Ulrichen, wo wir zum Nufenenpass (2.478 m) abbogen, dem höchsten rein Schweizer Pass. Oben gab es noch teilweise meterhohe Schneewächten und auf dem kleinen See auf der Passhöhe schwammen große Eisschollen. Diese Saison wäre sicherlich ein toller Skiwinter mit ausreichend Schnee bis ins späte Frühjahr gewesen. Richtung Airolo begann es wieder zu tropfeln. Was tun? 6 zogen wieder die Regenkombis über, 2 warteten noch ab, was sich im nachhinein (nachher ist man immer schlauer) als Fehler herausstellte. Der zunehmende Regen verhinderte die geplante Auffahrt auf der alten Gotthardstraße. Grobes Kopfsteinpflaster, auch in den Kurven, war uns bei Nässe dann doch zu gefährlich, so dass wir der normalen Passstraße (2.108 m) folgten. In Hospental ging es dann Richtung Furkapass (2.431 m) bei plötzlich wieder trockenen Straßen. Kurz nach der Passhöhe waren schon die Serpentinen des Grimselpasses (2.165 m) zu sehen, der als nächstes in Angriff genommen wurde. Hinunter nach Meiringen setzte wieder leichter Nieselregen ein, der uns aber, auch wegen richtiger Kleidung, nicht viel anhaben konnte. Hinauf zum Sustenpass (2.224 m) kam dann auch noch teilweise dichter Nebel mit Sichtweiten unter 20m hinzu. Nach dem Scheiteltunnel hatte der Spuk dann aber ein Ende und die restliche Fahrt konnte bei trockenen Straßen aber kühlen Temperaturen fortgesetzt werden. In Wassen ging es dann über die lange Zeit als unüberwindbar geltende Schöllenenschlucht nach Andermatt und über den Oberalppass (2.040 m) ins Vorderrheintal zum Nachtquartier in Disentis mit seinem prächtigen Benediktinerkloster.

Heute mussten nur zwei Pässe erklommen werden galt es doch das gesamte Vorderrheintal, am Ende mit seinen bekannten Skiorten Lax und Flims und das gesamte Engadin zu durchqueren. Kurz hinter Flims ging es in Reichenau wieder ins Hinterrheintal und dann kurz vor der Via Mala über Tiefencastel und einem Blick auf den weltbekannten Landwasserviadukt dem Albulapass (2.321 m) entgegen. Nach dem Abstieg ins Engadin und der Fahrt entlang des Inns erreichten wir in Martina wieder kurz ein Teilstück des zweiten Tages. In Landeck wurde der Inn dann endgültig verlassen und über das Paznauntal (Ischgl, Galtür) die Silvretta-Hochalpenstraße (2.036 m) erreicht. Auf der Bielerhöhe galt es nun einen Blick auf den Piz Buin zu erhaschen, welcher im zweiten Anlauf auch gelang. Nach kurzer Rast strebten wir unserem letzten Übernachtungsziel, Partenen im Montafon, zu.

Mit dem 5. Tag galt es schon wieder die Heimfahrt anzutreten, nicht jedoch ohne noch einmal einen kurzen Schlenker zu machen. Am Ende des Montafon ging es daher nicht sofort Richtung Bodensee sondern zunächst Richtung Arlberg und über den Flexenpass (1.773 m) nach Zürs. Auf der Passhöhe machten wir bei herrlichem Wetter eine kurze Rast am schön gestalteten Brunnen der dort liegenden europäischen Wasserscheide (Nordsee/Schwarzes Meer). Wieder Asphalt unter den Reifen ging es über Lech und den Hochtannbergpass (1.675 m) schließlich doch dem Bodensee entgegen. Zwischen Bregenz und Lindau genossen wir die Fahrt nahe der Uferpromenade und verfolgten mit kurzen Blicken das Treiben am und auf dem See. Nach Lindau ging es dann über Ravensburg auf kleinen Nebenstraßen Richtung Sigmaringen, wo wir mit der Donau wieder den 3. großen europäischen Strom unserer Reise überquerten. Weiter führte der Weg über die schwäbische Alb, Tübingen und den Schönbuch zurück nach Gerlingen. Fasst wäre uns der Wettergott heute holt gewesen, aber ab Sindelfingen fing es dann doch nochmal kurz an zu regnen, was uns aber nicht mehr weiter störte, schließlich haben wir ja auch als Regenmacher einen Ruf zu verteidigen.

Knapp über, glücklicherweise wieder unfallfreie, 1.700 km in 5 Tagen lagen schon wieder hinter uns. Obwohl keine unbekannten oder neuen Pässe zu erklimmen waren, sind die Zentralalpen doch immer eine Reise wert und bieten mit Bergen wie Ortler oder der Berninagruppe, weltbekannten Skiressorts wie St. Moritz und Lech immer wieder faszinierende Eindrücke und auch die 24 überquerten Pässe gehören zum who is who der Bikerwelt.