Motorradtour


Motorradgang des Musikvereins bricht auf in den wilden Osten

Dieses mal ging es völlig ungewohnt nicht gen Süden, sondern zuerst über Stuttgart und Winnenden Richtung Schwäbisch Hall. Auf kleinen Nebenstraßen durch den Schwäbisch-Fränkischen Wald fuhren wir zügig, ein kleines Stück entlang der Jagst, Richtung Ansbach. Über den Naturpark Frankenhöhe gelangten wir durch den Steigerwald nach Bamberg. Die Temperaturanzeige am Motorrad zeigte mittlerweile 35 Grad. Stehen an der Ampel wurde zur Qual und alle waren froh, dass man Bamberg schnell hinter sich gelassen hat und in den Naturpark Fränkische Schweiz wechselte. Bald zeigten die Straßenschilder, dass es nicht mehr weit bis zum „Braumekka“ Kulmbach war. Da es ja, wie allen bekannt, die Musiker nicht dürstet und das Kulmbacher Tafelwasser für Erfrischung sorgte, wurde diese Klippe problemlos genommen. Über den Frankenwald und das Fichtelgebirge waren wir unversehens kurz nach 17:00 Uhr im Sächsischen Vogtland kurz vor Klingenthal (Wegstrecke knapp über 400 km). In Zwota fanden wir schnell eine behagliche Unterkunft für die Nacht. Bis unser Zureisender aus Dresden eintraf, konnte noch unter der Kastanie im Biergarten das eine oder andere lang ersehnte und verdiente Kaltgetränk für Erfrischung sorgen. Nachts sorgten dann kräftige Gewitter mit Platzregen für eine allgemeine Abkühlung.

Nach dem Frühstück ging es zügig weiter Richtung Klingenthal um die Vogtland-Arena zu sehen, die sich vor unseren Blicken allerdings versteckte. Die Abkühlung der nächtlichen Gewitter war dann doch überraschend. Bei nur noch 14 Grad wurden rasch die Lüftungsschlitze geschlossen und die Griffheizung aktiviert, wohl dem der eine hat. Anschließend galt es in das Erzgebirge einzutauchen. Über Johanngeorgenstadt ging es zum Fichtelberg, unserem diesjährigen höchsten Punkt mit etwas über 1100 Höhenmetern. Leider ließen die Gewitter der Nacht mit Nebel und Dunst die Weite der Landschaft nur erahnen. Kurz danach wechselten wir das erste mal nach Tschechien. Zurück in Deutschland ging es weiter über Seiffen (Ja ist denn schon Weihnachten?) nach Altenberg, der Bob- und Rodelhochburg, wo wir nach einer kurzen Rast das Erzgebirge wieder verlassen haben. Über Pirna ging es in Richtung Elbsandsteingebirge in die Sächsische Schweiz. Ein Stopp an der Bastei ist Pflicht und auch wir konnten uns diesem touristischen Highlight nicht entziehen. Der 10 minütige Spaziergang hat sich aber gelohnt. Bei inzwischen deutlich besserem Wetter und angenehmen Temperaturen genossen wir den Blick auf die Felsen, die in der Tiefe vorbeiziehende Elbe und die Burg Königstein am Horizont. Wieder aufgesessen ging es weiter nach Bad Schandau, wo wir kurze Zeit später endgültig in die Tschechei wechselten. Auf einigen Umwegen erreichten wir gegen 18:00 Uhr Spindlermühle im Riesengebirge. Dank deutscher Touristen fanden wir auch hier zügig eine Bleibe für die Nacht zu angenehmen Preisen. Des Abends zogen wir noch um die Häuser, handelte es sich doch um einen bekannten Ski- und Wanderort, praktisch das Zermatt des Riesengebirges (jedoch mit ganz anderem Preisniveau).

Am nächsten Tag verließen wir dann wieder das Riesengebirge und fuhren auf hügeligem Gelände Richtung Prag. Auch der Goldenen Stadt galt es einen Kurzbesuch abzustatten und bei der Brückenüberfahrt über die Moldau einen kurzen Blick auf die Burg zu erhaschen. Aufgrund der Menschenmengen entschlossen wir uns ohne Rast weiter Richtung Pilsen zu fahren. Bis auf die Anfangskilometer war die zu fahrende Strecke wenig anspruchsvoll, so dass ein flottes vorankommen gegeben war. Nach ausgiebiger Mittagsrast an einer kleinen Kneipe am Wegesrand, fanden wir am späten Nachmittag wieder einen netten Gasthof, rund 20 km hinter Pilsen. Da der Ort bis auf diesen Gasthof praktisch ausgestorben war, beschränkte sich der Bewegungsradius an diesem Abend auf Parkplatz, Biergarten, Schlafzimmer und zurück.

Am nächsten Morgen war schon wieder die Heimfahrt angesagt. Während wir Richtung Westen und Böhmerwald loszogen, musste Matz gen Dresden wieder nach Norden um noch den Flieger um 18:00 Uhr nach Stuttgart zu bekommen!? Der Rest der Bande streifte noch den Bayerischen Wald und zog weiter Richtung Oberpfälzer Wald nach Amberg. Durch die Oberpfalz, Feuchtwangen und Crailsheim ging es via die Ellwanger Berge wieder in den Schwäbisch-Fränkischen Wald. Nach Vorbeifahrt am Ebnisee erreichten wir über Waiblingen und Stuttgart kurz nach 17:00 Uhr wieder Gerlinger Boden.

Über 1.600 unfallfreie Kilometer in 4 Tagen lagen hinter uns. Bis auf die Städte war durch sehr wenig Verkehr auf der gesamten Tour entspanntes Fahren angesagt. Noch nie haben wir so viele „Gebirge“ durchquert oder gestreift, sind aber dennoch nicht richtig in die Höhe gekommen. Ein Traum für die einen, zu viel Geradeausfahrt für die anderen. Das nächste mal geht es wohl dennoch wieder ins Hochgebirge (Tourguide bestimmt!).
Gerd Rieger